OT-Infos:
Datum: 14.-16.09.2018
Location: Rotkehlchenranch in Elstra
Teilnehmer: 70

Prolog:
Was wäre, fragte sie sich, wenn die, die noch vor kurzem im Kampf gegeneinander geblutet haben, für eine gemeinsame Sache einstehen würden? Wenn die, die durch den Gegner, durch Bruders- oder Freundeshand, Geschwister, Kinder und Getreue verloren haben, für ein gemeinsames Ziel streiten würden? Was würde das für sie bedeuten?

Mit langsamen Schritten ihrer nackten Füße ging sie voran, um sich in das Licht zu stellen, das durchs Fenster fiel.

Könnten sie einander vergeben, die Taten des anderen vergessen? Könnten sie am selben Tisch sitzen, gemeinsam das selbe Mahl essen, um danach gemeinsam zu streiten? Könnte man von ihnen verlangen, dem Feind die Hand zum Bündnis zu reichen? Zu tilgen des anderen Schuld und zu bekennen die eigenen Vergehen?

Nachdenklich blickte sie auf das vergitterte Fenster und den blauen Himmel hoch oben. Das Licht umfing sie.

Wie viel Leid erträgst du, Geschöpf? Und was macht das aus dir? Wie sehr kannst du die Erinnerung an den Ort deiner Geburt hinwegwischen, verheert vom Feind aus dem eigenen Land? Wie stark musst du das Andenken an die eigene Familie verdrängen, an Schwestern, Brüder und Eltern, gefallen durch die Kampfeswut des Feindes, des Bruders oder Freundes gar, der dir nun gegenüber sitzt?

Kann man das verlangen von dir einfachem Geschöpf, das du kein Heiliger bist?

Würdest du nicht trotzdem danach trachten, deine Rache zu nehmen? Den Dolch des Verrats ins Herz des Verbündeten zu stoßen, der dir so viel Leid gebracht hat? Wären dir nicht doch die alten Freunde und Getreuen näher als die neuen Mitstreiter? Würdest du nicht auch im Dunkel Ränke schmieden, um einen Vorteil zu erhalten über jenen, der dir übel mitgespielt?

Langsam hob sie die Hand in Richtung des Lichts.

Und kann man es dir verdenken? Wäre es nicht falsch, nun zu lachen und zu trinken mit jenen, die deiner Familie Blut an den Händen haben und die Asche deiner Heimat an ihren Schuhen?

Schwere Schritte erklangen vor der Tür. Man kam, um sie zu holen, um sie erneut fort zu bringen. Sie blickte ins Licht.

Sag mir, Geschöpf, wieviel Leid kannst du noch ertragen?

...